Warum der beste Zeitpunkt für einen 3D-Scan vor Trockenbau und Putz liegt

Rohbau-Scan: Warum der beste Zeitpunkt für einen 3D-Scan vor Trockenbau und Putz liegt

In jedem Bauablauf gibt es ein kurzes Zeitfenster, das später niemand mehr zurückholen kann. Elektro-, Sanitär- und Heizungsleitungen sind verlegt und geprüft, der Rohbau steht, aber Trockenbau und Putz haben die Wände noch nicht geschlossen. Für ein paar Tage liegt der gesamte Installationsstand offen sichtbar da. Danach verschwindet er für Jahrzehnte hinter Gipskarton, Estrich und Putz.

Genau dieses Zeitfenster ist der wertvollste Moment für einen 3D-Scan.

Was beim Rohbau-Scan tatsächlich erfasst wird

Ich erfasse das Gebäude mit der Matterport Pro3, einem LiDAR-Laserscanner. Das Ergebnis sind zwei Dinge in einem Durchgang: eine dichte, maßhaltige Punktwolke des gesamten Raumgefüges und ein fotorealistischer, digital begehbarer Rundgang, in dem jede Wand in hoher Auflösung abgebildet ist.

Für ein Einfamilienhaus bedeutet das in der Praxis: jede Schlitzführung, jede Unterputzdose, jeder Heizkreisverteiler, jede Kernbohrung und jede Leitungstrasse liegt anschließend dokumentiert vor, mit Bezug zur umgebenden Geometrie. Der Scan zeigt nicht nur, dass eine Leitung da war, sondern wo genau sie verläuft und in welchem Abstand zu Decke, Boden und angrenzenden Bauteilen.

Die Vorteile

Der häufigste Schaden bei Umbauten in bewohnten Häusern entsteht durch eine einzige Bohrung an der falschen Stelle. Wandscanner und Leitungssuchgeräte helfen, sie sind aber ungenau, sobald mehrere Metallteile dicht beieinanderliegen, und sie sagen nichts darüber, ob hinter der Wand Strom, Wasser oder Heizung liegt.

Mit einem Rohbau-Scan lässt sich diese Frage auch in 15 oder 25 Jahren beantworten. Der Eigentümer, ein Handwerker oder ein Planer öffnet den Rundgang, stellt sich virtuell vor die betreffende Wand und sieht den Zustand vor dem Verschließen. Die Bohrung erfolgt dann mit Kenntnis des tatsächlichen Verlaufs statt auf Verdacht.
 

Der Rundgang ist maßhaltig. Abstände lassen sich direkt im Modell abgreifen, z.B. von der Deckenkante zur obersten Leitung, vom Türrahmen zur nächsten Dose oder zwischen zwei parallel geführten Trassen.

Das spart in der Praxis vor allem Wege. Wer eine Angabe braucht, misst am Bildschirm nach, statt einen Termin im bewohnten Haus zu koordinieren. Für Planer und Handwerker, die das Objekt gar nicht selbst gebaut haben, ist das oft der einzige Weg an belastbare Maße.

Baumängel zeigen sich selten sofort. Feuchtigkeit, Risse, Wärmebrücken oder fehlerhaft ausgeführte Anschlüsse werden häufig erst Monate oder Jahre nach der Abnahme sichtbar. Dann beginnt die eigentliche Schwierigkeit: rekonstruieren, wie der Zustand zum Zeitpunkt der Ausführung war.

Ein Scan des offenen Rohbaus ist an dieser Stelle eine vollständige, datierte Momentaufnahme. Er dokumentiert nicht nur einzelne Detailfotos, sondern den kompletten Raum, einschließlich der Stellen, von denen zum Aufnahmezeitpunkt niemand ahnte, dass sie einmal wichtig werden. Genau darin liegt der Unterschied zu einer Handyfotoserie.

Meine Aufnahmen kommen seit Jahren bei Bausachverständigen und Gebäudegutachtern zum Einsatz, unter anderem in Gerichtsgutachten. Für die Verwertbarkeit ist entscheidend, dass Aufnahmedatum, Umfang und Verfahren nachvollziehbar dokumentiert sind, und dass die Daten unverändert vorliegen.

Planunterlagen und gebauter Zustand weichen im Detail fast immer voneinander ab. Eine Trasse wird vor Ort umgelegt, ein Sturz sitzt anders, eine Öffnung wird verschoben. In der Ausführungsplanung taucht das selten nachträglich auf.

Der Scan bildet dagegen ab, was wirklich gebaut wurde. Für eine spätere Sanierung, den Dachgeschossausbau, den Einbau einer Wärmepumpe oder die Nachrüstung einer PV-Anlage ist das die verlässlichere Grundlage. Architekten und Planungsbüros können aus der Punktwolke direkt weiterarbeiten.
 

Cloud-Rundgang und E57: zwei Wege mit sehr unterschiedlichen Folgekosten

Ein Punkt, den ich bei Bauherren offen anspreche, weil er über den langfristigen Wert der Dokumentation entscheidet.

Der fertige Rundgang liegt in der Cloud und ist per Link im Browser erreichbar, ohne Installation, auf jedem Gerät. Das ist der bequeme Weg für die tägliche Nutzung und für das Teilen mit Handwerkern, Gutachtern oder Käufern. Dieser Komfort hat allerdings einen Preis: das Hosting verursacht monatliche Kosten, und zwar so lange, wie der Rundgang online bleiben soll. Bei einer Dokumentation, die 20 oder 30 Jahre verfügbar sein soll, summiert sich das erheblich.

Deshalb stelle ich den Scan auf Wunsch zusätzlich als E57-Datei zur Verfügung. Dafür fallen einmalig Kosten an, danach keine weiteren. Die Datei gehört dem Eigentümer, liegt auf seiner eigenen Festplatte oder im eigenen Backup und verursacht keinerlei laufende Gebühren.

E57 ist ein offenes, standardisiertes Austauschformat für Punktwolken. Es lässt sich mit kostenlosen Programmen öffnen, z.B. mit der Leica Cyclone 3DR-Software oder mit CloudCompare. Das Gebäude kann darin virtuell begangen und vermessen werden, unabhängig davon, welcher Cloud-Anbieter in zehn Jahren noch existiert und welches Abo dann noch läuft.

Für eine Dokumentation, deren ganzer Zweck in der Langfristigkeit liegt, halte ich diesen Schritt für wichtig. Viele Bauherren entscheiden sich für die Kombination: den Cloud-Rundgang für die ersten Jahre, in denen häufig darauf zugegriffen wird, und die E57-Datei als dauerhaftes Archiv.

Ablauf und Aufwand

Der Termin lässt sich in den laufenden Bauablauf einpassen. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus rechne ich mit einem halben Tag vor Ort. Die Baustelle muss dafür nicht stillstehen, ich brauche lediglich freie Sicht auf die Wandflächen und möglichst wenig Material vor den relevanten Bereichen.

Auf Wunsch ergänze ich die Aufnahme um eine Drohnenbefliegung von Dach und Fassade per Photogrammetrie, sodass Innen- und Außenbereich in einem zusammenhängenden Modell zusammenlaufen. Alle Drohneneinsätze erfolgen im Rahmen der EU-Drohnenverordnung mit den erforderlichen Kenntnisnachweisen und abgesichert über eine Betriebs- und Drohnenhaftpflichtversicherung.
 

Für wen sich der Rohbau-Scan lohnt

Fazit

Der Rohbau-Scan kostet einen halben Tag und einen überschaubaren Betrag, an genau der Stelle im Projekt, an der ohnehin alles offen liegt. Was er verhindert, sind die deutlich teureren Fälle: die angebohrte Leitung, den nicht mehr beweisbaren Baumangel, die Sanierungsplanung auf Grundlage veralteter Unterlagen.

Ich bin mit Sitz in Hilden im gesamten Rheinland und Bergischen Land im Einsatz und komme kurzfristig auf die Baustelle. Wenn bei Ihnen ein Objekt kurz vor Trockenbau oder Putz steht, sprechen Sie mich gerne an, solange die Leitungen noch sichtbar sind.