Auffällige Putzstellen am Neubau: vom Anruf zum vermessenen 3D-Modell in unter 24 Stunden

Nachmittags kam der Anruf, am nächsten Morgen war ich mit der Drohne auf der Baustelle, und wenige Stunden später hatte der Kunde das fertige 3D-Modell der Fassade. Darin konnte er die auffälligen Stellen selbst ausmessen, am Schreibtisch und ohne weiteren Termin vor Ort.

Die Ausgangslage

An der Fassade eines Neubaus waren auffällige Putzstellen aufgetaucht, verteilt über mehrere Etagen und alle Seiten des Gebäudes. Bevor über das weitere Vorgehen entschieden werden konnte, brauchte der Kunde eine Antwort auf eine einfache Frage: Wie groß sind diese Flächen, und wie viele gibt es insgesamt?

Mit Zollstock und Notizblock auf dem Gerüst wäre das eine Arbeit von vielen Stunden gewesen, mit dem Risiko, dass einzelne Stellen übersehen oder doppelt erfasst werden. Außerdem hätte es danach nur eine Liste mit Zahlen gegeben, aber kein Bild davon, wo genau welche Stelle liegt.

Vom Drohnenflug zum 3D-Modell

Aus den Aufnahmen habe ich per Photogrammetrie ein 3D-Modell des gesamten Gebäudes berechnet. Dabei werden hunderte überlappende Fotos zu einem dreidimensionalen Abbild zusammengerechnet. Der Kunde bekam das Modell noch am selben Tag als Link und kann es direkt im Browser öffnen, ohne zusätzliche Software.

Kontrolle mit dem Messstab

Damit die Maße im Modell belastbar sind, lag während des Flugs ein 5 m langer Messstab auf dem Gerüst. Nach der Berechnung habe ich das Modell mit diesem bekannten Maß abgeglichen. Im Modell ergab sich eine Abweichung von 8 mm auf die 5 m Länge des Messstabs.

Dieser Wert gilt für diesen Einsatz. Wie genau ein Photogrammetrie-Modell wird, hängt von vielen Faktoren ab, z.B. Flughöhe und Abstand zur Fassade, Kamera, Licht, Oberflächenstruktur und Anzahl der Aufnahmen. Eine pauschale Genauigkeit lässt sich deshalb nicht seriös angeben. Der Abgleich mit einem Referenzmaß vor Ort macht die Genauigkeit aber für jedes einzelne Modell nachvollziehbar.

Messen direkt im Modell

Im Modell lässt sich die Fassade frei drehen und heranzoomen. Für jede auffällige Stelle zieht man eine Fläche auf und bekommt sofort die Kantenlängen und die Größe angezeigt. Im Beispiel aus dem Video misst die markierte Stelle 1,36 m, 0,56 m, 1,08 m und 0,93 m an den Kanten, bei einer Fläche von 0,87 m².

Jede Messung kann benannt werden, z.B. „Putzstelle 2. OG, links neben Fenster“. So geht man Stelle für Stelle die Fassade durch und hat am Ende eine vollständige Übersicht, bei der jede Zahl einer konkreten Stelle am Gebäude zugeordnet ist.

Auf Wunsch als PDF-Bericht

Aus den ausgemessenen Stellen lässt sich auf Wunsch ein PDF-Bericht ausgeben, der alle Auffälligkeiten mit ihren Maßen auflistet. Das ist praktisch, wenn die Ergebnisse an Beteiligte weitergehen, die nicht selbst im Modell arbeiten möchten, oder wenn sie einer Stellungnahme oder einem Gutachten beigelegt werden sollen.

Der Zustand bleibt dokumentiert

Das Modell hält den Zustand der Fassade zum Zeitpunkt des Flugs fest. Wenn später Fragen zu Lage, Anzahl oder Größe der Stellen aufkommen, oder zum Umfang der Nacharbeiten, kann man jederzeit wieder ins Modell schauen und nachmessen. Auch nachdem das Gerüst längst abgebaut ist.

Wann sich dieses Vorgehen anbietet

  • Auffälligkeiten an Fassaden, die über viele Etagen oder Gebäudeseiten verteilt sind
  • Situationen, in denen schnell belastbare Zahlen gebraucht werden, z.B. vor einer Abstimmung mit Bauherr, Bauleitung oder ausführender Firma
  • Schadensdokumentation und Beweissicherung, wenn der Zustand später nachvollziehbar bleiben muss
  • Gebäude, bei denen die Begutachtung vom Gerüst oder von einer Arbeitsbühne aus aufwendig oder nicht möglich ist

Und warum nicht mit dem Matterport über das Gerüst?

Alternativ hätte ich mich mit dem Matterport-Scanner Lage für Lage über das Gerüst arbeiten können. Das ergibt einen virtuellen Rundgang mit sehr vielen Details, weil man die Fassade aus nächster Nähe sieht. Allerdings steht man dabei immer direkt vor der Wand und sieht nur einen Ausschnitt. Die Gesamtheit der Auffälligkeiten in der Putzfläche und wie sie sich über die Fassade verteilen, erkennt man so nicht. Für die Frage nach Größe und Verteilung der Stellen war das Drohnenmodell deshalb das passendere Werkzeug. Je nach Fragestellung lassen sich beide Verfahren aber auch kombinieren.

Häufige Fragen

Wenn es vor Ort möglich ist, fliege ich mit einer RTK-Drohne, deren Aufnahmen bereits sehr genau verortet sind. Bei den kleineren Drohnen der Klassen C0 und C1 kann ich gegen Aufpreis mit Bodenkontrollpunkten (GCPs) und GPS-Rover arbeiten, wenn eine Georeferenzierung erforderlich ist. Eine pauschale Genauigkeit lässt sich nicht angeben, weil sie von vielen Faktoren abhängt. Deshalb kontrolliere ich das Modell, wie in diesem Fall, über ein bekanntes Referenzmaß wie einen Messstab. Hier lag die Abweichung bei 8 mm auf 5 m. Welcher Weg sinnvoll ist, spreche ich vorab mit Ihnen ab.

 Ja, wie dieser Einsatz zeigt. Die Befliegung braucht etwas mehr Planung, und Bereiche direkt hinter Gerüstbelägen sind im Modell nicht immer vollständig sichtbar. Die Putzflächen zwischen den Gerüstlagen lassen sich aber gut erfassen und vermessen.

Das hängt von der Gebäudegröße, der Zugänglichkeit und dem Wetter ab. In diesem Fall lagen zwischen Anruf und fertigem Modell weniger als 24 Stunden.